Grüner drehen im Norden

Grüner Drehpass

Seit 2012 setzt sich die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein mit dem Grünen Drehpass für ein ökologisches und nachhaltiges Umdenken in der Filmbranche ein. Das Umweltzertifikat wird an umweltbewusste Produktionen in oder aus Hamburg und Schleswig-Holstein vergeben und soll Filmschaffende dazu ermutigen, erste ökologische Maßnahmen umzusetzen. In zahlreichen Workshops und individuellen Beratungsgesprächen zu Themen wie Licht, Energie, Transport oder Setdesign zeigen wir darüber hinaus, was heute bereits alles möglich ist – und dass "grüner drehen" nicht automatisch "teurer drehen" bedeutet.

Warum der Grüne Drehpass?

Beim Dreh eines Kinofilms landen üblicherweise tausende Plastikbecher im Müll, während ungefilterte Dieselgeneratoren, Auto- und Flugreisen circa 600 bis 1000 Tonnen CO2 in die Luft schleudern. Die FFHSH will Produktionsfirmen in ihrem Vorhaben unterstützen, Produktionsabläufe ökologischer zu gestalten.


Für die Produktionen ist der Grüne Drehpass zudem eine Auszeichnung, mit der sie ihren Beitrag für den Umweltschutz nachhaltig dokumentieren und kommunizieren können. Durch die Registrierung bei der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein wird ihre Professionalität hervorgehoben, was die Kommunikation mit den Motivgebern erleichtern kann.

Norddeutscher Tatort mit Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz

Wer bekommt ihn?

Jede norddeutsche Produktion, die nachweist, "grün" zu drehen, kann den Pass bekommen. Bei kurzen Dreharbeiten von z.B. Kurz-, Image- und Werbefilmen sowie Showformaten kann nach einer Beratung durch die Film Commission der Grüne Drehpass firmenbezogen beantragt werden. Neben dem Antragsformular, den Angaben zu Produktionsfirma, Drehzeit, Stabliste, aktuellem Drehbuch und täglicher Dispo ist eine Liste einzureichen mit Angaben, wie der oder die Produzent*in konkret bei mindestens vier von sechs Handlungsfeldern den Energieverbrauch der aktuellen Produktion senken und umweltbewusst drehen wird.

 

Zu den sechs Feldern mit grünem Potenzial gehören:


AUSSTATTUNG
Reduzierung von Elektromüll, Recycling in der Ausstattung (z.B. durch die Hanseatische Materialverwaltung) und Verwendung von ökologisch unbedenklichem Material bei Requisiten und Ausstattung


CATERING
Verwendung von regionalen und saisonalen Produkten und Mehrweggeschirr, Vermeidung von Plastikbechern und -flaschen sowie nachhaltiges Abfallmanagement


PRODUKTIONSBÜRO
Vermeidung von Druckerzeugnissen, Verwendung von umweltfreundlichem Papier und doppelseitiges Bedrucken, Nutzung elektronischer Dispo, Benennung eines Umweltbeauftragten für die gesamte Produktion, strikte Mülltrennung sowie Ökostrom im Büro.


TRANSPORT, MOBILITÄT
Bildung von Fahrgemeinschaften und, soweit möglich, Einsatz von E-Cars und Hybridfahrzeugen, Vermeidung von Flugreisen.


LICHT, TECHNIK
Verwendung von energieeffizienter Lichttechnik und festen bzw. wiederaufladbaren Stromquellen am Set, Vermeidung von Generatoren


ERSTELLUNG EINER CO2-BILANZ

Am Set von "Die Große Freiheit" in Geesthacht

In der Praxis

"Grünes Drehen" soll Cast und Crew Spaß machen und nicht negativ besetzt werden. Darum ist es uns ein wichtiges Anliegen, dass Einsparmaßnahmen vor und während der Dreharbeiten auch sichtbar kommuniziert werden.

Folgende Maßnahmen schlagen wir vor:

  • So früh wie möglich jedes Departement der Produktion ansprechen und um eine Liste möglicher ökologischen Einsparmaßnahmen bitten
  • Wenn möglich, eine*n Mitarbeiter*in mit den "grünen" Aufgaben beauftragen, um die Verantwortung zu bündeln
  • Am Cateringwagen eine Tafel aushängen mit ausgedruckter Dispo und einem Tipp des Tages zu Umweltfragen oder mit Zahlen zu Emissionen und Verbrauch
  • Foto-Dokumentation der verschiedenen Maßnahmen im Produktionsbüro und am Set

Wertvolle Tipps und Hinweise zum Grünen Drehpass und umweltbewussten Dreharbeiten gibt es außerdem in unserem Flyer Grüner Drehpass, Best Practice Guide, Green Production Guide und der Checklist

Green Panel auf der Berlinale 2018 (Video)

Umfangreiche Aufklärung durch Workshops

Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein bietet bereits seit mehreren Jahren Workshops als Einführung zu Themen wie Licht, Energie, Kamera, Green Storytelling, Setdesign, Transport, Catering und Postproduktion an.
Der Ort für die Workshops wird rechtzeitig bekannt gegeben, Anmeldung unter location@ffhsh.de

Nächste Termine: 2. bis 5. Dezember 2019 in Hamburg

Kooperationspartner

Hanseatische Material Verwaltung

Die Hanseatische Materialverwaltung ist die zentrale Anlaufstelle für Materialien & Ideen. Hamburger Kultureinrichtungen, öffentliche Schulen, Universitäten, Künstler und Vereine bekommen dort die Materialien, die sie für die Realisierung ihrer sozialen, ökologischen oder kreativen Projekte benötigen. Die HMV sammelt in einem zentralen Lager anfallende Materialien und Gegenstände und schafft damit einen offenen Fundus, durch den neue Ideen realisiert werden können - Nachhaltig und kreativ!

Green Film Shooting

Hervorgegangen aus der gleichnamigen Sonderpublikation anlässlich der Berlinale 2013, widmet sich die Journalistin Birgit Heidsiek auf ihrer Website den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Filmbranche. Laufend aktualisiert finden Sie hier aktuelle Neuigkeiten und Hintergrundinformationen rund um das Thema Green Film Shooting.

UmweltPartnerschaft Hamburg

Die UmweltPartnerschaft Hamburg ist seit über zehn Jahren DIE Hamburger Institution zur Förderung des freiwilligen Umweltschutzes in der Wirtschaft. Sie ist Innovationstreiber für umweltfreundliche Technik und gleichzeitig zentrale Plattform für den umweltpolitischen Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Alle UmweltPartner investieren in umweltfreundliche Technik, führen Umweltmanagementsysteme ein, optimieren Betriebsabläufe nach energetischen Kriterien oder planen freiwillige Umweltschutzmaßnahmen.